Donnerstag, 10. Oktober 2013

Weinreise durch Europa mit Rene Gabriel


Eine Grandiose Probe veranstaltete Thorsten Grubmüller im Oktober 2013 und ließ diese von Rene Gabriel kommentieren...



1997 Grüner Veltliner Honivogel, Hirtzberger

Herrlich gereifte Nase nach etwas Steinobst und Papaya, intensiv und packend mit guter Frische. Am Gaumen mit kräftigem Körper und fester lebhafter Säure, hohe Geschmacksintensität schmelzig, frisch und cremig zugleich gefolgt von einem langen Abgang mit etwas bitterer Orangeschale.
Einer der besten Veltliner die ich bislang getrunken habe.  97



Bislang war ich sicher der 1997 Singerriedel ist „Der“  97er schlechthin.  Jetzt weiß ich es besser!
Die Fortsetzung des Flight’s war zwar eine riesen Steigerung was den Preis betrifft leider aber nicht in der Qualität:


1998 Haut Brion blanc

Extrem eigenwillige Nase, etwas staubig mit viel Holz, wirkt alkoholisch, am Gaumen etwas klarer, ausfüllend mit viel Druck schmelzig und lang. 90



Auch nicht gerade eine Offenbarung war die Nummer 3 im Flight

2007 Puligny Montrachet Pucelles 1er Cru, Domaine Leflaive

Auch hier die Nase sehr befremdend und eher mühsam als beglückend, am Gaumen Holz mit fester Säure, lange aber sehr unharmonisch ab. 90



Etwas ernüchternd waren diese zwei Franzosen, glücklicherweise haben den vierten Wein aber die Schweizer erfunden (oder zumindest produziert) und das nicht schlecht:



2010 Chardonnay, Gantenbein

Wow Effekt beim Hinein-riechen ins Glas. Eine präsente betörende Nase mit spürbarem Holz aber toll eingesetzt. Herrlich duftig, intensiv aber dennoch zu keinem Zeitpunkt aufdringlich. Am Gaumen unglaublich dicht und füllig gepaart mit strahlender mineralischer Säure, sehr langer Abgang.
Ein sexy Chardonnay! 95







Zwei Granden unter den ersten vier Weinen – da freut man sich auf den Pinot Flight:



1985 Musigny Grand Cru, Comte de Vogüe

Herrlich erdige, perfekt gereifte Nase mit viel Charme, tief dunkle Kirschen, etwas Weintraubenschale, mit jedem Zug durch die Nase wird das Bouquet betörender. Sensationell.
Am Gaumen straff aber dennoch unglaublich schmeichelnd balanciert, rote gereifte Früchte, sehr langer Abgang. Perfekter Trinkzeitpunkt  keine Ecken und Kanten einfach nur perfekt. 97


wie kann sich hier die Domaine Romanee Conti bewähren?



1989 Richebourg, Romanee Conti

Kurz duftig aber mit eigenwilligem Bouquet nach Suppenpulver und Hühnerbrühe-  etwas staubig, am Gaumen sehr sehr straff und etwas zu säurebetont, lebhaft knackig mit roter Frucht, nicht unattraktiv am Gaumen aber das Bouquet schmerzt etwas. 91



Deutlich mehr Spaß machte der dritte Burgunder, wenngleich auch dieser in einer Preisliga spielt, die bei genauer Überlegung das Wort Spaß nicht mehr zulässt.


1997 Richebourg, Domaine Leroy

Sehr feiner Duft, leicht erdig, schön greift. Am Gaumen enorm bissig und kraftvoll mit toller Frucht, durchaus säurebetont aber in grandioser Balance mit der Frucht.
Bei aller Kraft zeigt der Wein eine sehr feine Klinge gefolgt von einem ewig langem Abgang.  96



Kein Pinot aber doch nicht ganz verloren in diesem Flight war der 



1997 Hermitage La Chapelle, Jaboulet

Extrem tiefer Duft der fast ein wenig an neue Welt Aromatik erinnert, wirkt noch jung. Am Gaumen herrlich stoffig, danach zeigt der Wein viel Kraft und eine feste Säure. Die Balance zwischen reifer Süße und straffer Säure animiert zum nächsten Schluck – großartig 94



Die bis dahin probierten Weine waren vielleicht am Papier keine großen Legenden, viele am Tisch waren sich aber einig, dass der Honivogel, der Musigny aber auch der Richebourg von Leroy den Titel Legende verdienen.
Was nun folgte war mehrheitlich auch am Papier eine Legende nach der Anderen – Die Topbewertungen des sensationellen Pinot Flights mussten aber erst getoppt werden:

1995 wurde in Spanien eine neue Legende geboren. Der erste Jahrgang des Pingus begeisterte die Weinwelt und sorgte nicht zuletzt deshalb für unglaubliche Bekanntheit, weil von den nur 3000 produzierten Flaschen ein Großteil auf der Reise in die USA mit einem Schiff untergingen sind.
Diesen ersten Pingus Jahrgang zu verkosten hat also durchaus etwas „Sentimentales“.



1995 Pingus

Etwas verhaltene sehr schöne Nase, dunkelfruchtig, würzig. Am Gaumen viel Süße gepaart mit Säure und Mineralik. Sehr viel Kraft, enorm intensive Fruchtigkeit, viel festes Tannin, unglaubliche Länge.
Trotz toller Attribute konnte ich mich nicht zu mehr als 94 Punkten hinreißen wenngleich nahezu alle Anwesenden inklusive Rene Gabriel die Höchstpunktezahl vergaben. Mir fehlt irgendwie die Eigenständigkeit  und der letzte Kick.



Komplett fehlte dieser Kick beim

1997 Sassicaia, der meiner Meinung nach einen Flaschenfehler hatte.



Definitiv keinen Fehler hatte der unglaubliche



1997 Sori Tildin von Angelo Gaja

Kommt nach dem Einschenken sehr rauchig und modern rüber, dann kommt eine sehr feine Frucht durch, Waldbeeren – nicht aufdringlich, sehr fein zu riechen. Am Gaumen dann eine wahre Explosion:  enorm Druckvoll und nicht zu bremsen, geile Frucht heftige Art  und doch elegant aber mit deutlich männlicher Note, viel kräftiges Tannin. Der Wein ist sehr präsent und nimmt unglaublich viel Raum ein. Hat sicher noch 20 Jahre Potential. 96+



Abgeschlossen wurde dieser Flight mit einem sehr guten 1999er Tenuta di Trinoro 91



Die Reise durch Europa näherte sich langsam dem Ende und es wurde Bordeaux serviert:


1990 Chateau Latour

Im Bouquet ein dezentes Stinkerl, Leder, rauchig, sehr sehr klassisch. Am Gaumen dicht mit Beeren, herb und süß zugleich – ein kraftvoller klassischer Bordeaux auf hohem Niveau  93



Besonders gefreut habe ich mich auf den 1990 Montrose, den ich auf meiner Montrose Vertikale in Bestform erlebt und seitdem nicht mehr getrunken habe:


1990 Chateau Montrose

In der Nase ein deutliches Stinkerl, Ledersattel nicht unschön aber ein wenig die Frucht überdeckend, herrlich würzig. Am Gaumen sehr dicht mit guter Säure, mit etwas Zeit im Glas kommt endlich die Frucht durch, die immer süßer und molliger wird. Toller Wein aber lange nicht die perfekte Flasche die ich vor drei Jahren genießen durfte. 95
Rene Gabriel war hier anderer Meinung und gab 20/20



1999 Petrus Magnum

Hedonistische süße Nase, etwas rauchig, viel sehr klare Frucht. Am Gaumen toller Druck, sehr feine Klinge,  etwas Himbeeren und Waldbeersaft, langer Abgang, super Art . 94


Keine Notizen habe ich leider vom leider vom sehr hedonistischen 2009er Chateau d’Aiguilhe aus der 5L Flasche. Der kam mit enorm viel Frucht und charmantem Gaumen daher – eine unbedingte Kaufempfehlung.


Man könnte jetzt glauben mehr geht nicht, Thorsten Grubmüller hatte aber für den Abschluss noch 2 Weine vorbereitet die beide für sich das Prädikat Outstanding verdienen nicht zuletzt, weil einer davon mit ziemlicher Sicherheit so gut wie nie mehr auf einer Probe ausgeschenkt werden wird.



1990 Chateau d’Yquem

Ein herrliches Bouquet, nicht aufdringlich, sehr vielschichtig, Haselnuss, feine Süße, viel Frucht. Am Gaumen wunderbar ausgeglichen. Top balanciert geben sich Süße und Säure, viel Druck, ein langer herrlich prägender Abgang. Ohne Ecken und Kanten – Ein Schönling der richtig viel Spaß macht. 96



1983 Riesling Eiswein, Egon Müller

Wow. Was für ein packendes Bouquet. Ganz tiefe „edle“ Süße in der Nase, Nüsse, Frucht und feines Petrol. Am Gaumen ein wahres Feuerwerk an Geschmack nach Physalis, Himbeeren und Erdbeeren. Eine noch sehr lebhafte Säure, ewig langer Abgang. Ein grandioser Süßwein  auf völlig konträre Weise als der Yquem. Beide für sich Süßwein Götter!! 96
 

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